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Logbuch der SY Seluna

24.-30.März 2010: Dominica

„Welcome to Dominica! How are you?“ begrüsst uns freundlich ein Boatboy. Wir sind noch skeptisch. So vieles haben wir über diese Insel im Internet gelesen, von nächtlichen Einbrüchen und gar einem bewaffneten Überfall. Das erste Mal sind wir richtig froh, so viele Yachten in einer Bucht zu sehen und ankern mitten drin. „How are you? Do you need any services? Or a trip to the Indian River?” Wieder ein äusserst freundlicher Boatboy. Aber es sollten noch ein paar Tage vergehen bis wir es endlich begreifen, dass wir in Portsmouth wirklich gern gesehene Gäste sind und wir auch nachts kein ungutes Gefühl zu haben brauchen.
Bild aus dem Wald
In Big Papa’s Restaurant, DEM Treffpunkt der Yachties und auch der Boatboys, lernen wir Heiko und Julia kennen, ein deutsches Seglerpaar mit einem Flair fürs Regattasegeln. Gemeinsam unternehmen wir einen Ausflug in den Regenwald. Wir bestaunen die verschiedensten Bäume, lauschen den Gesängen der Vögel, beobachten die seltenen endemischen Papageien mit ihrem farbigen Gefieder, sehen Fledermäuse und exotische Blüten, einen Wasserfall und essen die Grapefruits direkt vom Baum. An diesem Tag lernen wir auch Roy, den Nationalparkhüter kennen. Er hilft uns sofort und erfolgreich, als unser Leihwagen nicht mehr anspringen will. Und auf unsere Frage, woher wir frische Bananen bekommen könnten, meint er, wir sollten uns einfach auf einer Plantage welche holen. Nicht gleich in der ersten Reihe – nein, weiter hinten sind die wirklich reifen.
Bild aus dem Wald
Vielleicht hat er es sich schon gedacht, dass wir uns nicht trauen würden. Jedenfalls winkt er uns gleich heran, als wir ihn später am Tag wiedertreffen. „Do you still want some bananas?“ Er hat unterdessen ein paar für uns gepflückt und so treten wir dann gutgelaunt mit einer zuckersüssen Banane in der Hand und ein paar weiteren Früchten auf dem Schoss die Rückfahrt an. Am Abend stehen wir vier noch lange bei Big Papa’s, die leeren Rumpunchbecher in der Hand. Festgequatscht. Der Abschied von den neu gewonnenen Freunden fällt uns allen offensichtlich schwer.
Bild aus dem Wald
Tags darauf geht’s auf den Indian River, auch kleiner Amazonas genannt. Nein, nicht die normale Zwei-Stunden-Touri-Tour – wir organisieren etwas Besonderes. Unser Boatboy Edison rudert uns frühmorgens bis zur kleinen Plantage, dem Endpunkt der üblichen Tour. Von dort aus paddeln wir auf unserem Faltboot allein weiter. Einige Boatboys hatten uns davon abgeraten. Man käme nicht weit – vielleicht 50 Meter oder so. Sie hatten nicht ganz unrecht. Der Ausflug gleicht eher einer Expedition: alle paar Meter müssen wir unser Frümsel über flache Stellen tragen oder einen Baumstamm aus dem Weg räumen.
Bild aus dem Wald
Aber wir werden reich belohnt: Die Szenerie mit den urchigen Wurzeln, mit riesigen Kokospalmen, mit tausenden von (essbaren) Krabben, einige davon so gross wie eine Honigmelone (aber nicht so süss), mit verschiedensten Vögeln und gar einem grossen Iguana in einer Baumkrone ist einfach einmalig. Wir sind begeistert. Dann, irgendwo in den Büschen treffen wir einen Mann namens Michael. Auf unsere Frage, wie sein Tag sei, meint er, nicht so schlecht. „I’m looking for „mukättu“.“ Erst nach mehrmaligem Nachfragen begreifen wir, dass er nicht etwa einen Muskatnuss sucht, sondern seine Kuh (=moo-cattle). Wir steigen wieder in unser Frümsel und lassen uns gemächlich den Indian River hinuntertreiben. Die Sonne geht schon unter, als wir wieder an der Seluna festmachen. Wir sind überwältigt. Von der Schönheit der Insel (sehr grün und wenig besiedelt), aber noch viel mehr von der ausgesprochenen Freundlichkeit der Menschen, denen wir hier begegnen. So hat uns beispielsweise der Fruitman, von dem wir bis dann nichts gekauft hatten, zugerufen: „Ça sent bon – la cuisine!“, wohingegen in St. Lucia der dortige Fruchtverkäufer uns wild verfluchte und übelst beschimpfte, weil wir ihm zu seinen Wucherpreisen (=5x so teuer wie in Dominica!) nichts abnehmen wollten. Und wir fühlten uns in der Rupert Bay so sicher wie schon lang nicht mehr. Die Boatboys haben sich organisiert und sorgen gemeinsam Tag und Nacht für die Sicherheit der hier ankernden Yachten. Sehr gerne sind wir deshalb zu ihrem wöchentlichen Fundraising-BBQ gegangen, um sie zu unterstützen. Wir haben diese Insel und ihre Bewohner ins Herz geschlossen. Ja: „Welcome to Dominica!“
Letzte Änderung am 26 06 2010 durch Gesina und Leo. Feedback/Kontakt