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Logbuch der SY Seluna

Wir fahren nach Costa Rica... [Teil 2]

Chips-Bild
Es folgte eine schöne Busfahrt der pazifischen Küste von Costa Rica entlang durch teilweise dichten Urwald und manchmal mit Blick auf das weite Meer. So jedenfalls hab ich's in Erinnerung, weil ich all die Palmenplantagen kurz nach der Grenze verschlafen habe... Unterwegs studierten wir den Stadtplan von San José und so wussten wir genau, wo wir ankommen würden und wo wir dann nach einem Hotel suchen wollten. Also raus aus dem Bus, an den schreienden Taxifahrern vorbei, um die Ecke und? Wo waren wir? Wir fragten den einzigen Passanten weit und breit, der aber ganz offenkundig nicht geübt war im Karte lesen und uns eigentlich nur darin bekräftigte, dass wir in der richtigen Stadt seien. Also zurück zur Busstation und nachfragen. Ja, die Haltestelle vom Ticabus wurde verlegt und ist nun nicht mehr in so einem zentralen und leider auch nicht mehr ganz so netten Quartier. Also war doch Taxifahren angesagt. Ich weiss gerade nicht, wie ich unsere Dummheit nett beschreiben kann. Jedenfalls haben wir am Ende viermal zu viel bezahlt für die Fahrt, weil der Fahrer so furchtbar hartnäckig war und wir einfach zu müde. Wir waren mächtig sauer auf ihn und uns. Aber es war bisher auch die einzig negative Erfahrung, die wir mit Angehörigen dieser Berufsgattung gemacht haben. Sonst haben wir uns meist sehr nett unterhalten und einen ganz normalen Touristen-Tarif bezahlt.
Le(e/h)rbild
Angekommen in der Innenstadt war ein nettes und ruhiges Hotel schnell gefunden. Dann fingen die Ferien an! Wir gingen endlich mal so richtig lecker essen und mussten danach auch noch nicht einmal abwaschen. Es gab Fleisch!!! Und dazu Kochbananen, schwarze Bohnen, Reis und Salat. Am nächsten Tag suchten wir eine Bleibe ausserhalb der recht langweiligen Grossstadt. Costa Rica ist bedeutend reicher als Panama, was man leicht feststellt, wenn man schon nur aus dem Fenster schaut: Die Häuser sind gepflegter und stabiler gebaut, die Strassen haben weniger Löcher und die Passanten sind teurer angezogen. Und ja, das öffentliche Verkehrsnetz funktioniert. Wir sind mit dem Bus über Cartago ins wunderschöne Orosi-Tal gefahren. Es erinnert mit dem Fluss, der sich zwischen grünen Hügeln durchschlängelt, stark an die Schweiz, auch wenn zugegebenerweise die Vegetation sehr viel tropisch-dichter ist.
Wannenbild
Das kleine Bungalowresort, das wir uns ausgesucht haben, liegt ganz am Ende eines Seitentals mitten im Urwald. Einfach einmalig! Die heisse Thermalquelle liefert warmes Wasser für den grossen Pool und die vielen kleinen Zweierbadewannen, die sie zwischen den Bäumen mit Sicht auf den plätschernden Bach hingestellt haben. Und ringsherum flattern kunterbunte Schmetterlinge, mitunter auch tellergrosse. Hier kann man herrlich entspannen!
Schmetterbild
An diesem Ort lernten wir auch ein Schweizer Ehepaar kennen, mit dem wir uns wunderbar unterhielten. Das Gespräch machte uns bewusst, wie sehr wir uns schon an den recht tiefen Lebensstandard in Panama gewöhnt hatten. Sie jedenfalls war relativ entsetzt über die doch teilweise ärmlichen Quartiere und die vielen Obdachlosen in Costa Ricas Städten. Dabei geht es den Menschen hier doch besser als in Panama, wie es uns erschien. Sie jedoch hatte sich die Städte anders vorgestellt. Wir warfen ein, dass man sich hier doch auch als Ausländer an vielen Orten frei bewegen könne. Als wir in Panama City durch das berüchtigte Quartier Curundú fuhren, schaute der Taxifahrer immer wieder nervös um sich und wir überlegten, ob wir die Türen zuschliessen sollten. In San José fühlten wir uns sicherer, hatten aber dafür mehr Angst vor Taschendiebstählen. Vielleicht ist das unbegründet und vielleicht gibt es auch in Costa Rica ebensolche Quartiere. Es war einfach nur so ein Gefühl. Interessant war von ihrem Mann zu hören, wie es hier vor 30 Jahren war. Er arbeitete mehrere Jahre in der Region. Und seitdem hat sich viel verändert. So sei er damals zu Fuss durch Colón gelaufen, was heute für Touristen unvorstellbar ist. Gern hätten wir noch sehr viel mehr von ihnen erfahren. Aber es wurde spät und wir wurden aus dem Restaurant geschmissen.
Kirchenbild
Nach leider nur zwei viel zu kurzen Tagen in und neben den Thermalpools wanderten wir mit unserem Leichtgepäck durch die Kaffeeplantagen zurück ins Orosital. Der Bus brachte uns nach Cartago zur berühmten Basilika, wo gerade die Messe zum zweiten Advent gefeiert wurde. Wir fanden jedoch die Konstruktion des Holzdaches sehr viel beachtenswerter als die Leute, die aus für uns unerfindlichen Gründen auf ihren Knien zum Altar rutschten. Kaum vorstellbar, dass diese sehr beschauliche und wirklich nette Kleinstadt wegen ihrer Basilika jeden Spätsommer von hunderttausenden von Pilgern überrannt wird.
Supermarktbild
Ein paar Strassen weiter bewiesen wir wieder einmal, dass wir Touristen sind: Wir fragten Passanten nach dem nächsten Supermarkt und sie zeigten recht amüsiert auf die andere Strassenseite. Woher soll man denn auch wissen, dass "Palí" eine Supermarktkette ist? Dann neigte sich für uns das Kurzabenteuer Costa Rica zu Ende.
Wir fuhren zurück nach San José, erkundeten die Fussgängerzone, bis wir nicht mehr gehen konnten. Denn sitzen würden wir danach ja noch lange genug. Wir suchten uns ein Taxi und durchfuhren um neun Uhr abends ein Quartier, in dem wir nicht hätten aussteigen wollen: Obdachlose, Abfallhaufen, schummrige Eingänge, zu wenig Licht und zu wenig Verkehr. Wir stiegen in den Ticabus ein und freuten uns auf zu Hause.
Auf der Rückreise warteten viele freudige Überraschungen auf uns. Wir reisten Exekutiv-Klasse im Ticabus und bekamen für die 10 Dollar Aufpreis eine Decke, ein Kopfkissen, ein Frühstück und ein Mittagessen - und zwar ein richtig leckeres! Nur an der Grenze half auch der Aufpreis nichts. Wir warteten einmal mehr dreieinhalb Stunden, hatten diesmal aber eine nette Plauderei mit dem Zollbeamten. Eine Beobachtung an der panamesischen Grenze liess mich nicht mehr los: Es gab drei Schalter: Einen für die Einreise, einen für die Ausreise und einen für die indigene Bevölkerung, die keinen Pass hat. Und da kann ich noch so jammern, dass wir ein oder zwei Stunden am Schalter anstanden. Denn wenigstens wurden wir bedient, wohingegen die Indianer warten mussten, bis alle anderen - in erster Linie Touristen aus Mittelamerika - durch waren. Ich weiss, es ist nur eine Momentaufnahme und vielleicht auch nicht der Normalfall. Dennoch schienen die Indianer das Prozedere zu kennen und waren auf eine lange Wartezeit gefasst. Völlig unverständlich erschien es mir, warum die eigene Bevölkerung schlechter behandelt wird als die Touristen.
Ein paar Stunden später waren wir zurück in Panama City und damit sollte unser Abenteuer erst richtig anfangen. Davon aber im nächsten Log. Ätsch!
Letzte Änderung am 30 12 2010 durch Gesina und Leo. Feedback/Kontakt